Waldsterben

Jäger und Waldbesitzer müssen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten um das fortschreitende Waldsterben in erträgliche Bahnen zu lenken.

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In den baden-württembergischen Wäldern sind klimabedingte Waldschäden heute auf großer Fläche deutlich sichtbar. Mit einer weiteren Zunahme ist zu rechnen. Die durch den Klimawandel bedingten Einflüsse verändern die Wälder in einer bislang nicht gekannten Art und Weise. Dieser Entwicklung muss durch einen Waldumbau entgegengewirkt werden. Es ist zu erwarten, dass die Schädigung der Wälder und ihre Folgen kurzfristig zu einem deutlich besseren natürlichen Äsungsangebot und einem damit einhergehenden Anstieg der Rehwildbestände führen.

Waldbesitzer, Waldbewirtschafter, Jägerschaft und andere Akteure wie Naturschutz und Tourismus müssen für den Erhalt der Wälder im Land als gemeinsames Ziel Verantwortung übernehmen. Ein Waldumbau zu zukunftsfähigen klimaverträglichen Beständen verlangt nach gemeinsamen und für alle Akteure langfristig tragbaren L Jägerinnen und Jäger sind wichtige Partner, wenn der Waldumbau gelingen soll. Sie sind sich ihrer Mitverantwortung bewusst. Eine zielorientierte Bejagung leistet einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung von waldbaulichen Maßnahmen, wird aber nicht allein zum Erfolg führen. Zusammen mit der Jägerschaft müssen regional und lokal wirkungsvolle Bejagungskonzepte entwickelt werden, die aus verschiedenen Modulen wie Schwerpunktbejagung, Ansitz- und Bewegungsjagd und revierübergreifender Zusammenarbeit bestehen. Regionale und lokale  Maßnahmenkonzepte zur langfristigen Erhaltung des Waldes müssen auch waldbauliche Faktoren (z.B. Standortund Baumartenwahl, Bestandsführung) berücksichtigen und ebenso Einflüsse außerhalb dieser Bereiche, wie Störungen durch Freizeit-und Erholungsnutzung oder Siedlungs- und Verkehrsentwicklung.

Die Jägerschaft kann mit einer zielorientierten Bejagung des Rehwildes, insbesondere auf den Umbauflächen ein wichtiger Partner sein. Insbesondere bei der Neubegründung von Beständen durch Pflanzung, bei der Pflege und bei der Holzernte müssen Belange der praktischen Jagdausübung berücksichtigt werden. Die praktische Jagdausübung kann beispielsweise durch das Anlegen und Freihalten von Bejagungsschneisen und Möglichkeit zur Errichtung von Ansitzeinrichtungen an notwendigen Standorten gesteigert werden.

Verpächter können Jagdpächter bei der Erfüllung ihres Beitrags zu einem klimatoleranten Waldumbau durch faire Pachtverträge mit akzeptablen und wirtschaftlich tragbaren Regelungen zu Wildschadensersatz und Wildschadensverhütungskosten unterstützen. Bei laufenden Pachtverträgen sollten Verpächter in gravierenden Fällen offen sein, über bestehende Erschwernisse (z.B. bei den Wildschadensverhütungskosten) zu verhandeln. Für den langfristigen Erhalt des Waldes im Land wird die Fichte eine geringere Bedeutung haben. Die Suche nach geeigneten klimatoleranten einheimischen sowie bisher fremdländischen Arten wird eine große Rolle für die Zukunftsfähigkeit unserer Wälder spielen.

Die Frage der zukünftigen klimatoleranten Baumarten und Versuchsanbauten von bisher fremdländischen Arten ist für alle Betroffenen mit großen Unsicherheiten verbunden. Die Jagdausübungsberechtigten sollten deshalb frühzeitig über den Anbau neuer Baumarten informiert werden und ihre Beobachtungen zu den Neuanpflanzungen dem Waldbewirtschafter mitteilen.

Noch ein paar Zahlen in eigenem Interesse und zur Aufklärung der Bevölkerung wegen immer wiederkehrende Angriffe auf die Jagdeinrichtungen von sogenannten Tierschützern bzw. Jagdgegnern. 

Jäger sind nicht immer Jäger, sondern oft auch Jägerinnen. Sieben Prozent sind weiblich. Tendenz steigend: Zur Jägerprüfung melden sich inzwischen ein Viertel Frauen an. Übrigens: Das Durchschnittsalter von angehenden Jägerinnen und Jägern ist rund 35 Jahre.

Jagen ist nur etwas für alte Männer? Ein Vorurteil, das mit einer DJV-Umfrage zur Jungjägerschaft aus dem Jahr 2016 widerlegt ist. Von Fachkräften der Elektrotechnik über Bürokräfte bis hin zu Ärztinnen und Ärzten sitzen nahezu alle Berufsgruppen in den Vorbereitungskursen zur Jägerprüfung oder zum sogenannten „grünen Abitur“ - auch Jägerabitur. Die größte Gruppe stellen Dienstleistungsberufe mit 17 Prozent dar. Forst-und Landwirt:innen (7 Prozent), Handwerker:innen (11 Prozent) sowie Bürokräfte (11 Prozent) und Selbstständige (11 Prozent) sind ebenfalls unter den Prüflingen. Schüler:innen und Studierende machen 14 Prozent aus. Aber auch Beamtete und Personen aus Wissenschaft und Technik wollen zur Jägerschaft gehören. Sie alle müssen eine staatliche Prüfung ablegen. Jägerkurse sind im Preis ähnlich wie die Vorbereitungskurse auf den Führerschein: Rund 1.900 Euro haben die Umfrageteilnehmenden im Schnitt für ihren Jagdscheinkurs bezahlt.

Jägerinnen und Jäger in Deutschland: Seit 25 Jahren steigende Zahlen

Jägerin oder Jäger zu werden ist ganz schön schwer: Sechs inhaltliche Schwerpunkte, mindestens 100 Stunden Theorie. Hinzu kommt die Praxis: Waffenkunde, Naturschutz, Tier- und Pflanzenkunde, Fleischhygiene. Um das „grüne Abitur“ zu erlangen, müssen die Schülerinnen und Schüler eine staatliche Prüfung bestehen.

Jägerinnen und Jäger sind neben Fischerinnen und Fischern die einzigen ehrenamtlich tätigen NaturschützendenSie müssen eine umfangreiche Ausbildung und eine staatliche Prüfung absolvieren. Für das sogenannte "grüne Abitur" lernt die angehende Jägerschaft für verschiedene Fachbereiche wie Biologie von Tieren und Pflanzen, Fleischhygiene, Waffenrecht und -handhabung, Naturschutz, Artenschutz, Biotopgestaltung, Jagdbetrieb, Hundewesen oder Tierschutzrecht.

"Jagd ist wichtig!" - davon sind 51 Prozent der Deutschen überzeugt. Das sind ein Fünftel mehr als im Jahr 2003, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des ifA Marktforschung-Instituts. Vermeidung von Wildschäden und Schutz seltener Arten: Die Jagd findet positive Resonanz in der Bevölkerung.

Autor: Werner Rupp